Ihr habt entschieden, dass ich über Pfandflaschen einige Worte verlieren soll und dem komme ich gerne nach. Generell habe ich zu Pfandflaschen einen ganz eigenartigen Bezug, das kommt wahrscheinlich durch meinen früheren Aushilfsjob bei REWE.
Meine Aufgabe bestand darin, zwei Mal in der Woche am Abend vier Stunden lang den Leerguttisch abzuräumen. Hört sich erstmal lapidar an, ist es aber nicht auch. Es machte nur keinen Sinn den Tisch vor Feierabend wirklich leer zu haben, schließlich gibt es Menschen, deren Lebensinhalt darin besteht, Pfandflaschen zu sammeln und horten und erst nach jahrelanger Bindung wieder in den natürlichen Kreislauf des Pfandsystems zurückzuführen.
Da hatte man irgendwann mal Flaschen in der Hand, deren Design völligst überholt war oder dessen Firma schon längst bankrott war. Aber auch ganz untypische und überregionale Teile hielt ich in meinen Händen, Vorteile brachte mir das jedoch nie. Es gab auch die ein oder andere kaputte Pfandflasche, nicht nur aus Glas sondern auch gut und gerne mal aus Plastik, die ich sorgsam in die Kisten packte und für den Abtransport bereitstellte.
Im Sommer machte die Arbeit aber am wenigsten Spaß. Rochen olle Pfandflaschen doch teilweise gar nicht mehr gut, Schimmel breitete sich aus und das ein oder andere mal mussten Handschuhe herhalten. Das Verhältnis zwischen Leergut und mir wurde schon nach kurzer Zeit eigenartig. Wir verstanden uns prima und so wanderten Bierflaschen, Colaflaschen, Wasserflaschen, Saftfalschen, usw. ganz automatisch in die richtigen Kästen.
Pfandflaschen haben Geschichten zu erzählen, sind beständig und ausdauernd. Sie können jahrelang im heimischen Keller, im Müll oder im See verschollen bleiben. Findet man sie, führt sie dem natürlichen System zurück, so gehen sie gleich wieder an ihre Arbeit, ohne das man sie groß einarbeiten muss.
Ja, sie sind doch viel, viel mehr Wert als nur ein paar Cent, die guten alten Pfandflaschen 