mirco

Angefangen hat alles im Bauch meiner Mama. Ich war noch sehr jung und die Erinnerungen an diese Zeit sind sehr, sehr vage. Nach etwas mehr als neun Monaten wurde der Alltag dort aber zur Routine und ich war offen für Neues. Ich packte am 13. Juli 1988 meine sieben Sachen zusammen und entschloss mich dazu erst einmal in Groß-Gerau sesshaft zu werden. Ich wollte neue Dinge ausprobieren und so fing ich an zu sprechen – eine Entscheidung, die ich auch Jahre später nie bereute. Kurz darauf schrieb ich mich im Kindergarten ein und erlebte wilde Jahre. Mit sieben Jahren entschloss ich mich jedoch das Weite zu suchen. Ich hatte schlichtweg keinen Hunger mehr auf Sandkasten-Kuchen und auch keinen Bock auf ausfallende Milchzähne. Klar, es war eine harte Zeit, ich durchlebte so einiges – aber es füllte mich einfach nicht mehr aus.

Ich schaute mich in der Gegend einwenig um, orientierte mich neu und entdeckte die Grundschule. Auf ein Neues packte ich meine sieben Sachen und war voller Tatendrang: Man brachte mir das Lesen, Schreiben und Rechnen bei – die Frauen stehen noch heute darauf! Turbulente Zeiten waren das – auf einmal wurde mein Können mit Noten bewertet. Ich gab alles und am Ende der Zeit stellte man mich vor eine schwere Wahl: Wie sollte es weitergehen in meinem Leben? Ich wusste nicht recht wie mir geschieht, habe kurzzeitig sogar an eine Rückkehr zu meinen Wurzeln gedacht. Doch das sah ich nach dem ganzeren Prozedere die Jahre zuvor nicht mehr ein. Es sollte doch vorangehen im Leben. Mein Weg führte mich auf’s Gymnasium, das meine Welt erneut auf den Kopf stellte: Komplett neue Menschen lernte ich kennen und lieben, sie waren ähnlich wie ich auf der Durchreise. Wir kämpften uns zusammen durch den Dreisatz, das Plusquamperfekt und das Simple Past. Mir missfiel irgendwann dann aber doch diese heimtükische Routine und ein Jahr vor dem großen Kampf wechselte ich die Schule. Warum auch nicht? Neue Abenteuer sind neue Erfahrungen – Stillstand musste vermieden werden. Nach dem Wechsel meisterte ich meinen Realschulabschluss und war Träger der Mittleren Reife – das sollte mir erst einmal einer nachmachen.

Die Zeit war durchtrieben von wilden Partys, Frauen und Stress. Wer hätte einmal gedacht, dass Frauen nicht nur da sind, um mit ihnen im Sandkasten Burgen zu bauen? Hätte man mir ja mal sagen können… Das ein oder andere Mal habe ich es bereut, das neue Wissen über Frauen erlangt zu haben. Aber nun gut, man muss da ja durch.

Bei der Mittleren Reife wollte ich nicht bleiben und so entschloss ich mich, meine Fachhochschulreife zu erlangen. Wieder ging es stürmisch zur Sache: Privat sowie in der Schule wurde das Leben komplizierter. Entscheidungen hatten größere Tragweiten als noch vor einigen Jahren. Damals war es eine leichte Sache anstatt einem Sandkuchen eine Sandpizza zu backen. Heute träume ich von diesen Entscheidungen.

Der große Kampf sollte mir aber noch bevorstehen: Die Bundesrepublik Deutschland wollte mich verpflichten – zum Dienst an der Waffe. Konnte ich das umgehen? Erst einmal nicht. Ich musste husten wie so viele andere Jugendliche in meinem Alter auch, doch dann die Idee: Ich verweigere meinen Wehrdienst und löste mit Hilfe eines zweiseitigen Briefs an die zuständige Behörde das Problem. Ich war anerkannter Kriegsdienstverweigerer – das rockte!

Und nun? Geld regiert nun mal die Welt und so stecke ich mittlerweile in einer Ausbildung zum Informatikkaufmann. Über die Jahre habe ich mir Hobbys zugelegt, die mich dem Alltag gerne entfliehen lassen. Eines davon ist das Thema Medien – das zentrale Augenmerk dieses Blogs. Aber auch meine Alltags-Kämpfe und Erlebnisse werden hier von Zeit zu Zeit veröffentlicht und ich bin sicher, dass ich noch viele Sandkuchen in meinem Leben backen werde. Mich würde es freuen, wenn ihr mich auf meinem Weg ein Stück weit begleitet.