Die Oliver Pocher Show kommt auf keinen grünen Zweig. Gestern wurde bei den 14-49 jährigen ein Marktanteil von gerade einmal 7,3 Prozenz generiert. Zum Vergleich: Sat.1 hängt in der wichtigen Zielgruppe im aktuellen Fernsehjahr bei 11,0 Prozent. Welche Gründe hat das Scheitern Pochers in der Sat.1-Schiene um 22:15 Uhr?
Oliver Pocher spaltet die Nation. Halten ihn die einen für einen talentierten jungen Mann, der mit der wachsenden Reife eine Sendung stemmen kann, wie es einst Stefan Raab tat, so halten ihn die anderen für einen völlig überbewerteten Clown. Und irgendwie ist Pocher beides. Er galt in seinen Rent a Pocher-Zeiten als potentieller Nachfolger Raabs und TV total. Daraus ist jedoch nie etwas geworden. Zu hoch setzte er selbst seine Meßlatte mit dem Sprung ins öffentlich-rechtliche Fernsehen an die Seite von Harald Schmidt. Unbestritten das auch dieser seine Glanzzeiten längst hinter sich gelassen hat – einst bei seinem ehemaligen Heimatsender Sat.1. Das ARD-Projekt Schmidt und Pocher erreichte trotz öffentlicher Schelte seitens der Presse nie ansatzweise zufriedenstellende Reichweiten. Das Projekt endete nach zwei Jahren, bis Pocher im Herbst bei Sat.1 anheuerte und die Late Night-Schiene neu definieren sollte. Harald Schmidt riet ihm noch zu ARD-Zeiten, sich nicht auf den äußerst quotenschwachen Freitagabend legen zu lassen. Doch genau dies geschah und so flimmerte die Oliver Pocher Show erstmals am 02. Oktober 2009 um 22:15 Uhr über die Mattscheiben. Trotz ordentlicher PR-Maschinerie gelang der Einstandssendung nur einen Marktanteil um den Senderschnitt herum, im Laufe der Zeit gingen die Werte in der Zielgruppe weiter hinunter. Im Dezember 2009 trennte man sich von den schwachen Late-Night-Elementen und wandelte Pochers Show in eine Personality-Comedy um, einst erfolgreich von Oliver Pocher auf ProSieben betrieben. Doch auch dies änderter nichts an den desaströsen Einschaltquoten die man von Woche zu Woche erreichte.
Doch worin liegt das Scheitern begründet? Zum einen liegt es an dem schweren Sat.1-Sendeplatz am Freitagabend, zum anderen aber auch an der Gesamtsituation des Münchner Senders. So gut wie jede neue Produktion versagt komplett (siehe auch Kerner) und findet sein Publikum nicht. Aber auch Pochers Begabung als Showmaster ist überbewertet und durch seine ARD-Zeit maßgeblich geprägt. Des weiteren erreichte er durch seine Arbeit für das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine gewisse Bekanntheit, durch die sein Underdog-Image abhanden kam. Aber genau dies machte Pocher zu einem Geheimtipp auf ProSieben. Mit steigender Bekanntheit hatte damals auch Stefan Raab zu kämpfen, der sich nun nicht mehr alles leisten konnte und legendäre Aktionen wie die Raabigramme an den Nagel hängen musste. Inhaltlich ist die Oliver Pocher Show jedoch ebenso auf einem niedrigen Niveau angesiedelt, viele Witze funktionieren nicht. Dazu kommt, dass die Show hat einen schlechten Cutter engagiert, der einem aufzeigt, dass man das Studio bei der gestrigen Ausgabe nicht einmal mehr komplett voll bekommt. Pocher (der ebenfalls Produzent des Formats ist) muss sich mit seinem Team zusammensetzen und Fehleranalyse betrieben – auch wenn daraus eine Trennung von Teammitgliedern herauskommen sollte. Ebenso ist die Sendeplatzverlegung ein wichtiges Thema, dass Sat.1-Chef Andreas Bartl schnellstmöglich vorantreiben muss. Wie wäre eine Sonntagabend-Version um 22:15 Uhr? Ein Versuch wäre es wert.
Ich sehe Oliver Pocher als kreativen Host, der sich besser auf Sendungen vorbereitet als es ein Stefan Raab seit Jahren macht. Pocher muss versuchen sich in den kommenden Wochen auf ein inhaltliches Niveau zu heben, um den Sprung auf einen anderen Sendeplatz rechtfertigen zu können und trotz der aktuellen Schieflage des Formates wäre eine Absetzung für Sat.1 wohl wenig vorteilhaft. Ein Sender der durch haufenweise Wiederholungen von sich Reden macht, dem tut eine solche Show trotz allem gut. Wünschen wir Pocher und seinem Team alles Gute und Sat.1 noch genug Ausdauer!